V-Modell vs. Agilität

Ingomar weist auf einen aktuellen Artikel in der Computerwoche hin, den unsere Kollegen kürzlich veröffentlicht haben und spricht die Hoffnung aus, dass V-Modell XT und Agilität sich nicht vollständig ausschließen.

Ich denke, dass “unbequeme” ist oft nicht das Phasenmodell an sich, sondern das kulturelle Umfeld. So ist das V-Modell XT im Schwerpunkt im Umfeld von öffentlichen Auftraggebern zu erleben, und die sind in der Regel nicht wirtschaftlich orientiert (Stichwort Earned Value). Soll heißen: Es ist sehr aufwändig (wenn überhaupt möglich), auf die Wahrnehmung eines sich ändernden Anwenderbedürfnisses zu reagieren. Da überwiegt wohl doch meist der strenge Blick in die Leistungsbeschreibung.

Es gibt aber sicher auch positive Ausprägungen. Ich kann mir vorstellen, dass diese insbesondere auf der Auftragnehmerseite zu finden sein werden. Dort gibt es Ansätze, Teile agil auszufüllen.

In meiner Wahrnehmung liegt der Hauptunterschied darin: Die Arbeit im V-Modell basiert auf vertraglicher Absicherung, im agilen Vorgehen auf Verantwortungsbewusstsein (Commitment). Dieser Unterschied liegt aber nicht zwangsläufig im Modell selbst, sondern geht eben aus den jeweils typischen organisatorischen und kulturellen Umfeldbedingungen hervor.
Wie die Kollegen schreiben, setzt das agile Vorgehen “ein gewisses Maß an Vertrauen und Mut” voraus – auf beiden Seiten der Kontogutschrift. Gerade der öffentliche Auftraggeber muss aber auf hart prüfbare Fakten setzen, denn schließlich gibt er fremdes Geld aus. Von daher kann ich verstehen, dass hier äußerst formalistisch vorgegangen wird.

Meine Hoffnung ist, dass auch im typischen V-Modell-Umfeld die Erkenntnis ankommt, dass es nicht auf die erledigten Punkte der Leistungsbeschreibung ankommt, sondern auf den Grad der Erfüllung der aktuellen Erfordernisse, und die können sich  während des langen Verlaufs, den eine Ausschreibung nimmt, ändern.

1 comment to V-Modell vs. Agilität

  • Eike Lang

    Meine bescheidene Meinung: Die Anforderungen können sich nicht nur ändern, sie werden es auch. Bei den typischerweise langfristig angelegten Projekte im öffentlichen Bereich wären selbst dann Anforderungsänderungen zu erwarten, wenn an einem Tag X alle Anforderungen komplett erfasst worden wären – die IT-Welt ist einfach zu schnellebig, als dass das ausbleiben könnten.

    Abgesehen davon ist schon die Annahme irrwitzig, dass die Anforderungen zu einem Tag X erschöpfend erfasst sind.

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